Vertrauen ist ein Segen!
- vor 8 Stunden
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Irgendwann 2019 hat mich eine liebe Bekannte mit der Vertrauenspädagogik nach Heinz Etter bekannt gemacht. Ich fand, das Konzept so stimmig und spannend, dass ich alle Bücher und Blogeinträge dazu gelesen habe und es auch heute, wenn auch unbewusst, noch in der Erziehung anwende.
Dass Vertrauen in der Erziehung einen riesigen Unterschied macht, wurde mir durch folgende Situation im Kindergartenalter meiner Söhne klar: unser Jüngster kam vom Kindergarten nach Hause und war sehr, sehr schlecht gelaunt. Nach dem Mittagessen ließ er seine Wut und Aggression, sowohl verbal, als auch körperlich, an seinem großen Bruder und an mir aus. Ich habe ihn liebevoll aber konsequent in die Schranken gewiesen und gesagt, dass wir ein solches Verhalten in unserer Familie nicht dulden. Gefruchtet hat dies aber alles nicht, worauf mir nach einer gefühlten Ewigkeit wirklich der Geduldsfaden gerissen ist und ich den tobenden Sohnemann aus dem Zimmer getragen habe. Am liebsten hätte ich ihn alleine in sein Zimmer geschickt, bis er sich wieder beruhigt hat. Ich habe ihn dann aber raufgetragen und wir sind gemeinsam auf seinem Bett gesessen und ich hab ihm klar gesagt, dass ich sein Verhalten so nicht dulde und er, solange er sich nicht beruhigt hat, nicht wieder runter darf, sondern ich bei ihm bleibe. Nach langem Schreien und Toben seinerseits und viel Ruhe (wohl direkt vom Himmel gesandt) meinerseits, hat er sich dann an mich gekuschelt und angefangen zu schluchzen. Er hat mir erzählt, dass er im Kindergarten ausgelacht wurde und wie sehr ihn das verletzt hat. Dabei habe ich mir gedacht: „Gott sei Dank habe ich ihn nicht alleine in sein Zimmer geschickt!“. So konnte ich ihn trösten und nach einer Weile sind wir wieder runter ins Wohnzimmer. Er hat sich bei seinem Bruder entschuldigt und der ganze Nachmittag verlief friedlich ab.
Hätt ich ihn zu Mittag alleine in sein Zimmer geschickt, wäre mir so viel entgangen. Ich hätte aus reiner Wut und Verzweiflung gehandelt und er wäre mit seiner Trauer, die hinter der Aggression versteckt war, alleine geblieben und wäre sogar noch dafür bestraft worden. Letztlich hätte dies unsere Beziehung geschwächt, so jedoch wurde durch diese Situation und durch mein Verhalten unsere Mutter-Kind-Beziehung gestärkt. Ich konnte ihn in seiner Trauer begleiten, ihn bestärken in seinem Charakter, ihn liebevoll auffangen und habe dennoch klar gezeigt, dass dieses Verhalten in unserer Familie keinen Platz hat.
Solche Situationen gab es in den Jahren danach noch zu Hauf, auch wenn ich nicht jede davon so meistern konnte. Heute, wo beide Jungs pubertieren, sehe ich die Früchte davon. Sie kommen immer noch mit ihren Sorgen und Nöten zu uns, erzählen was sie bewegt und vertrauen unserer Erziehung, auch wenn sie uns gerade pubertätsbedingt wieder einmal furchtbar finden. Vieles unterscheidet uns inzwischen von manch anderer Familie und dies macht mich sehr dankbar und demütig. Denn hätte diese liebe Bekannte nicht so davon geschwärmt, wäre meine Erziehung ganz anders verlaufen und definitiv nicht zum Besseren.
Für mich Sonnenklar: Vertrauen ist ein Segen!



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