Hüte deine Zunge
- 28. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Seit dem Kindergarten ist die Sprache, die wir zuhause benutzen wollen, beinahe täglich Thema. Hauptsächlich wegen der Wörter, die von außen in unser trautes Heim getragen werden. Wir Eltern können und wollen diese nicht dulden. Wir besprechen dies mit unseren Kindern, geben ihnen Erklärungen ab, wo es nötig ist, und manchmal bieten wir ihnen auch Ersatzworte an.
Je älter die Kinder werden, desto größer der Wortschatz. Je größer der Wortschatz, desto größer auch der Vorrat von Wörtern-die-meine-Eltern-nicht-hören-wollen. Wo früher das Sch…wort noch böse war, wäre ich zum jetzigen Zeitpunkt manchmal froh, wenn es dabeibleiben würde. Jugendsprache hat es immer schon gegeben und auch meine Eltern fanden so manche Wortwahl von mir katastrophal. Genauso erschließt sich mir der Grund für Digga, Bro und Brudi bis heute nicht, auch wenn ich meine Jungs manchmal scherzhaft damit anspreche, um ihnen den Spiegel vorzuhalten und so manches MAMAAAAA damit auslöse. Welche Wörter für uns noch tolerabel sind und welche gar nicht gehen, wissen wir meist intuitiv.
Als die Kinder noch kleiner waren, durften sie die bösen Wörter ins Klo sprechen und dann auf Nimmerwiedersehen davon spülen. Mit diesem Vorschlag würde ich bei Teenagern nur noch Augenrollen ernten. So erklären wir ihnen, warum wir F-Worte und Co in unserem Haushalt nicht tolerieren und auch nicht wollen, dass sie sie verwenden. Ob dies funktioniert?
Wenn wir ehrlich sind, fängt das Problem wie so oft, bei uns Eltern an. Wie ist meine Sprache? Was für Wörter verwende ich im Affekt? Was schreie ich, wenn mir was runterfällt? Wenn mir das SCH-Wort ständig über die Lippen kommt, dann wird es wohl schwierig, es meinen Kindern zu verbieten. Deshalb müssen wir auch in erster Linie auf unseren Wortschatz achten, gerade auch dann, wenn wir denken, dass uns niemand hört.
So habe ich bewusst schon früh angefangen, meinen normalen Wortschatz auch meinen Kindern gegenüber zu verwenden und nicht auf ein niedrigeres sprachliches Niveau zu gehen, nur weil sie nicht erwachsen sind. Muten wir ihnen doch ruhig ein paar „ausgefallenere“ Wörter zu. Dafür darf ich dann von Herzen lachen und mich freuen, wenn diese Wörter im Alltag sogar im korrekten Zusammenhang fallen. Wie vor ein paar Jahren als mein Großer zu meinem Jüngeren sagte: „Das ist jetzt indiskutabel“.
Sonnenklar – hüte deine Zunge!



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